Zum Zeichnen geboren 14.05.05

Es passierte einfach so. Timo Wuerz war noch keine zwei Jahre alt, da nahm er einen Bleistift in die Hand – und zeichnete. Doch er zeichnete nicht einfach so, wie man es von Kindern in seinem Alter erwarten würde. Nein, Timo Wuerz zeichnete einen Clown, den die verblüfften Eltern sofort als solchen erkannten. Die Proportionen, der Ausdruck, die Farben: Alles fügte sich zu einem harmonischen Ganzen.

29 Jahre später hält Timo Wuerz den Bleistift noch genauso wie damals. Nur mit dem feinen Unterschied, dass seine Zeichnungen mittlerweile in einigen bekannten Museen hängen, ganze Briefmarken-Serien schmücken und ihren weg in zahlreiche Comic-Bücher gefunden haben. Doch das ist längs nicht alles, Timo Wuerz, geboren in Schwäbisch Hall und groß geworden in Niedernhall, hat schon ziemlich alles gezeichnet: Musik-Cover und Werbeplakate, Logos und Broschüren, Illustrationen und Animationen – ja ganze Bars und Gebäude sind von ihm gestaltet worden. Und als ob das noch nicht genug wäre, tragen komplette Themenparks wie in Jakarta oder St. Petersburg seine Handschrift.

„Im Kindergarten musste ich für alle zeichnen, in der Grundschule auch, und daran hat sich bis heute nicht wirklich viel geändert“. Nur: „Jetzt werde ich besser bezahlt“. Wie viel er für seine Arbeiten bekommt, darüber will der 31-jährige nicht reden. Doch dass er ein weltweit gefragter und mit Preisen bedachter Künstler ist, kann auch er nicht verschweigen.

Aber was heißt schon Künstler. Timo Wuerz wird dem Klischee des Berufsstandes kaum gerecht, denn er ist mindestens genauso leidenschaftlich Unternehmer. Er steht jeden Morgen um 7 Uhr auf und arbeitet „Zügig und locker, wenn es sein muss bis tief in die Nacht“. In diesem Sinne ist Timo Wuerz ein waschechter Hohenloher: geschäftig bis über beide Schlitzohren.

Überhaupt Hohenlohe. Von seiner Heimat schwärmt er in den höchsten Tönen. Obwohl er seinen Hauptwohnsitz nach Hamburg verlagert hat und viel in den USA, „meist New York“, unterwegs ist. Von Hohenlohe lernen heißt siegen lernen: die Unternehmerkultur, der Menschenschlag, die vielen persönlichen Kontakte – all das katapultierte den Wunderknaben in ungeahnte Höhen. Was Würth im Grossen, ist Wuerz im Kleinen.

Eine Illustration für die Haller Metal-Band „Bloodflowerz“? Kein Problem! Das Logo für die lokalen Cover-Rock-Helden „Gonzo’n’Friends“ von nebenan? Warum nicht! Diese Abwechslung muss einfach sein. Immer nur mit „Oscar“-gekrönten Disney-Veteranen, dem Chef-Designer von Lus Besson oder den Leuten von Ridley Scott an spannenden Filmprojekten zu arbeiten, wäre auf Dauer doch zu langweilig.

Ein Poster für die Fortsetzung von „Krieg der Sterne“ hat er trotzdem liebend gerne entworfen. Damals schloss sich ein Kreis, denn „als ich mit sieben Jahren im Kino saß und diesen Film sah, war es um mich geschehen. Ich konnte nichts anderes mehr werden als Comic-Zeichner.“ All diese fantastischen Kreaturen: sie befeuerten seine Fantasie und ließen der Kreativität in seinem Kopf freien Lauf. „Bevor ich reden und laufen konnte, war Zeichnen meine Sprache“. Fortan sollte sie zu seinem Lebensinhalt werden.

Auf dem Gymnasium in Künzelsau stellte er die Kunstlehrer locker in den Schatten, mit 14 hatte er seine erste Ausstellung, und mit 20 erschien das erste Comic-Album „Aaron und Baruch“, ein düsterer Psychothriller in brillanter Grafik. Damals startete seine Karriere als freier Künstler und Designer, nachdem er mit seiner Bewerbungsmappe an der Hochschule abgeblitzt war, weil sie von den Professoren für zu gut befunden wurde.

Mit Comics schaffte Timo Wuerz den Durchbruch. Doch das allein würde ihn nie ausfüllen. Ständig ist er auf der Suche nach Neuem. Dinge, von denen er keine Ahnung hat, ziehen in magisch an. Privates und Geschäftliches: Alles fließt ineinander. Die Welt um ihn herum, das sind „Freunde, mit denen ich früher oder später Geschäfte mache oder Geschäftskunden, die früher oder später meine Freunde sind“.

Um das alles unter einen Hut zu bringen, führt er „diverse Doppel- oder Mehrfachleben“. Seinen Betrachtern erscheint er so als schillerndes Gesamtkunstwerk mit unendlich vielen Facetten.

Ralf Reichert, Haller Tagblatt
--Januar 2005