In die Wiege gelegt 06.12.05

Das Talent hat er von seinem Vater. Doch während der vor allem nach der Natur malte, hat sich Timo Würz aus Niedernhall einen Namen hauptsächlich als Comiczeichner gemacht.

Während andere Kinder seines Alters mit Bauklötzen spielten, hatte Timo Würz als Kind meist einen Zeichenblock in der Hand. Bereits als knapp Zweijähriger malte er einen Clown und verblüffte damit Eltern und Bekannte. Bald benutzte er Vaters Öl- und Aquarellfarben. Seine erste Ausstellung hatte er mit gerade mal 14 Jahren, ein Jahr später erschien schon die erste Veröffentlichung – ein Schwarz-Weiß-Comic in einer Anthologie deutscher Zeichner. Dabei hatte er nie Unterrichtsstunden im Zeichen genommen, genauso wenig, wie er je eine Kunsthochschule besuchte. „Wenn ich etwas selbst lernen will, bin ich am geschicktesten“, sagt der heute 32-Jährige, der zwischen Niedernhall und Hamburg pendelt, wenn er nicht gerade in Amerika Auftragsarbeiten zu erfüllen hat. Den Großen der Szene hat er manches abgeschaut, als er sich mit 20 Jahren selbstständig gemacht hat. Seither lebt er nicht schlecht von seiner Kunst.

Comicalben, Buchillustrationen, Bildbände, Briefmarken und Poster sind die Hauptarbeiten des Schnellzeichners, der am Tag schon mal bis zu fünf Bilder malt – auf Leinwand oder Papier. Daneben zieren seine Zeichnungen und Illustrationen unter anderem CDs, Spielzeug und Snowboards. Aber auch Firmenlogos oder Veranstaltungsplakate gehören zu seinem Geschäft. Selbst für ein internes "Star Wars"-Projekt von Georg Lucas hat Timo Würz Plakate entworfen. "Ich brauche die Abwechslung auch im Malen", betont Timo Würz, der in seiner Freizeit gerne ins Fitnessstudio geht und viel liest – erstaunlicherweise am liebsten Wirtschaftssachbücher.

Für die Zukunft hat der 32-Jährige, der sich als Fan des schwäbischen Originals Willi Reichert bezeichnet, noch viel vor. Das Motivationsbuch "Günter der innere Schweinehund" hat er illustriert, weitere Folgen sind geplant. Die Postkarten-Gagserie "Der letzte Henker" von Timo Würz wurde gerade in Frankfurt auf der Buchmesse vorgestellt, eine Buchserie soll folgen. Ideen hat Timo Würz wie Sand am Meer, manche davon stehen in seinem abgegriffenen Skizzenbuch. Ansonsten lässt er die weitere Entwicklung auf sich zukommen. "Mit jedem Anruf kann sich vieles verändern", meint er gelassen. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm dabei nicht. "Die größten Erfolge kommen noch", sagt er und lächelt.

--Thomas Zimmermann, ProMagazin, Dezember 2005