Ein künstlerischer Tausendsassa 15.01.08

Der gebürtige Niedernhaller Timo Würz (34) ist auf der ganzen Welt als Comiczeichner und Designer erfolgreich

Blitzschnell, ohne hinzusehen und ohne viel Nachdenken kritzelt Timo Würz mit einem dicken Edding-Stift in dem Buch herum, während er sich locker mit dessen Besitzer, seinem früheren Musiklehrer, unterhält. Nach einer Minute ist das kleine Kunstwerk als Signatur fertig: ein Mann, der Flöte spielt. Tempo – das ist ein ganz wichtiges Thema im Leben des gebürtigen Hohenlohers, der heute Figuren für Disney-Filme ebenso selbstverständlich entwirft wie das Logo für die Hohenloher Wirtschaftsmesse oder die Kultur-Anzeigen der Stadt Künzelsau.

In San Francisco, im Museum of Modern Art, waren die Bilder von Timo Würz bereits zu sehen. Aber auch wenn im Künzelsauer Rathausfoyer eine kleine Werkschau eröffnet wird, ist der 34-Jährige dabei. Zwischen Bürgermeister und den Vernissagenbesuchern im gesetzteren Alter fällt Würz’ jugendliche Art besonders in Auge. Quietschebunte Tattoos auf dem Arm, kecker Hut auf dem Kopf und Bewegungen und Körpersprache wie aus einem Hip-Hop-Video. Für sein Grußwort nimmt er erstmal das Mikro aus dem Ständer, redet schnell, tänzelt dabei ständig hin und her. Und er kommt gleich auf den Punkt.

Ein Energiebündel ist der Künstler und selbstständige Unternehmer, das ist ihm anzumerken. „Ich bin halt ein waschechter Widder – ungeduldig, mit viel Power und stur.“ Er steht jeden Morgen um sieben auf, setzt sich hin, zeichnet, malt und designt bis in die Nacht hinein. Würz’ schwäbische Schaffenskraft (-wut?) füllt bergeweise Papier. Wer ihn erlebt hat, hält das gar nicht für unwahrscheinlich. Wenn die Bild-Zeitung anruft und ein realistisches Gemälde von einem Ereignis anfordert, von dem es keine Fotos gibt, flutscht das fertige Bild zwei Stunden später per E-Mai in die Redaktion, während langsamere Kollegen noch an Entwürfen herumdoktern.

Kochertäler Legenden ranken sich um Timo Würz, der mittlerweile in Hamburg lebt – „halt, weil meine Freundin dorthin gezogen ist.“ Als kleiner Steppke soll er schon gemalt haben, bevor er laufen oder sprechen konnte. Auf dem Künzelsauer Ganerben-Gymnasium stellte er im Kunstunterricht seinen Lehrer in den Schatten, und die Stuttgarter Kunstakademie lehnte ihn mit der Begründung ab, dass man ihm sowieso nichts mehr beibringen könne. So machte er sich nach dem Abi direkt selbstständig, malte zunächst Comics. Dann folgten CD-Cover, Plakate, Designentwürfe für Spielzeug. „Als zum ersten Mal der amerikanische Disney-Konzern in Niedernhall anrief, hielt ich das für einen Scherz.“ Heute arbeitet Würz des öfteren für den wohl weltgrößten Zeichentrick- und Animationsfilmkonzern.

Ausgleich für seine stressige Arbeit braucht Würz nicht. „Ich kann den ganzen Tag lang tun, was ich liebe, davon muss ich mich nicht erholen.“ Sport ist für ihn dennoch wichtig – Würz geht joggen oder ins Fitness-Studio. Und er liebt Musik – je lauter und härter, desto besser. „Ich höre am liebsten Punk und Hardcore – gerne auch bei Konzerten, auf denen es richtig zur Sache geht.“

Erklärungen für Würz’ außergewöhnliches Talent liefert sein Elternhaus – Vater Helmut Würz hat neben seiner Arbeit als Elektrotechniker auch gemalt. "Als ich noch klein war, haben wir immer Wettbewerbe gemacht – und zwar Porträts aus dem Gedächtnis malen." Bis heute hat sich Timo Würz eine Art fotografisches Gedächtnis erhalten. Mutter Margit hat immerhin noch Einfluss auf die aktuelle Ausstellung in Künzelsau genommen: "Sie hat gesagt, dass ich neben den düsteren Comic-Zeichnungen auch einige Tierbilder aufhängen soll – damit es auch was schönes zu sehen gibt."

Verwurzelt in Hohenlohe bleibt Timo Würz, obwohl er für Projekte auf der ganzen Welt zehntausende Flugkilometer sammelt. "Eine gewisse Bodenständigkeit habe ich nach wie vor – die Hohenloher durchschauen es nämlich sehr schnell, wenn einer nur heiße Luft produziert." Neben seiner Kunst kümmert sich der malende Tausendsassa auch um die ganz profanen Dinge wie Rechnungen schreiben.

Von Christoph Schmidt, Echo, erschienen am 22.12