Ausstellungseröffnung Bietigheim, September 2006 - Laudatio Eberhard Gienger, MdB 02.04.07

Meine sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe nicht die Absicht mich zum Kunstsachverständigen aufzuschwingen – es gibt genug Leute, die über Dinge reden, wovon sie nichts verstehen. Als Neupolitiker darf ich das noch sagen. Dennoch war die Vorbereitung auf Timo Würz für mich eine Herausforderung. Zum einen, weil dies erst die zweite Vernissage ist, in die ich einführen darf und zum anderen, weil mir – das gestehe ich offen – die Vielfalt der Werke des Künstlers Timo Würz bisher nicht vertraut waren. Das änderte sich mit der ersten Suchanfrage im Internet und der 1. Vernissage am 10.09.2006 Zuerst möchte ich Ihnen die Vita des Künstlers auszugsweise näher bringen:

Der 1973 in Schwäbisch Hall geborene Timo Würz hat schon in frühester Kindheit mit dem Zeichnen angefangen. In über 20 Jahren künstlerischen Schaffens hat er eine erstaunliche Bandbreite an Zeichenstilen erworben, die es unmöglich machen, ihn in eine Schublade stecken zu wollen.

1993 erschien der erste Band seiner Comic-Serie »Aaron und Baruch«, getextet von seinem Cousin Niki Kopp. Der düstere Psychothriller sorgte durch seine brillante Grafik für Aufsehen. Seine zweite Serie »Lula und Yankee« ist von einem völlig anderen Stil geprägt: Die witzig-flippigen und teilweise autobiografischen Erlebnisse eines jungen Pärchens sind in lockeren Schwarzweißzeichnungen erzählt. Die beiden bisher erschienenen Bände wurden von Asp und Niki Kopp getextet.

Ebenfalls nach einer Vorlage von Niki Kopp entstand 1997/98 die zweibändige Miniserie »XCT« für den Carlsen Verlag. Mit dieser apokalyptischen Zukunftsversion einer Stadt für Jugendliche konnte Timo Würz die Aufmerksamkeit der Amerikaner und Japaner auf sich ziehen:

Er ist als ultraschneller Allzweckaffe bekannt und schätzt sich immer noch sehr glücklich zu tun was er liebt und dafür bezahlt zu werden. Auch in mehreren Museen, wie etwa der MOMA sind Arbeiten von ihm zu sehen. Überdies erhielt er mehrer internationale Preise. Doch das war erst der Anfang…zum vorläufigen Höhepunkt seines Schaffens ist diese Ausstellung anzusehen.

Je mehr ich mich mit dem Künstler und seinen Werken befasst habe, umso stärker wurde mein Interesse an seinen Bildern. Sie zeigen die Freude eines Malers an seiner Arbeit. Die durch Farbe und Komposition wiedergegebene persönliche Emotion ist realistisch. Ohne Emotionen bei der Arbeit wären Bilder nur blassfarbige Schatten lieblos auf ein Stück Leinwand gemalt. Erst durch Emotionen werden Bilder lebendig. Emotionen gehören zum täglichen Leben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Emotionen kenne ich vor allem aus meiner Zeit als Kunstturner. Ohne eine emotional geturnte Kür, wäre diese nur der technische Ablauf aneinander gereihter Elemente. Emotionen hauchen ihr Leben ein.

Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, wie ich von der Malerei zum Sport komme. Während ich die Bilder von Timo Würz betrachte und ich mich auf meine Einführung heute Abend vorbereite, schweiften meine Gedanken hin und her zwischen seinen Bildern und dem Sport, bis hin zu den Olympischen Spielen, die ich zuletzt 2004 besuchte.

Mit einer farbenfrohen Eröffnungsfeier haben die Olympischen Spiele 2004 in Athen begonnen. Farben sprechen den Betrachter an – ob bei Olympischen Spielen oder in Bildern. Schöne Körper finden sich bei den Olympischen Wettkämpfen genauso wie hier an den Wänden und somit sehe ich einen Zusammenhang zwischen dem Sport und der Kunst. Für mich war und ist der Sport immer ein Teil der Kunst. Das war auch so in der Antike und so ist es auch heute noch. Der Weltpräsident im modernen 5-Kampf und IOC Mitglied der Kommission und olympische Erziehung, Klaus Schormann sagte:

Der Dreiklang von Sport, Kunst und Kultur soll wieder stärker betont werden. Mit 32 Mitgliedern sind wir die größte IOC-Kommission. Allein das zeigt, welchen Stellenwert dieses Gebiet und Präsident Jacques Rogge einnimmt.

Auf seinem Weg von Null bis heute hat Timo Würz all das geschaffen was er liebt.

Auch hier ergeben sich Parallelen zum Sport. Im Kunstturnen werden auch diese Turnelemente erarbeitet, die einem liegen (beispielsweise Tkatschev/Gienger Salto) und die man liebt. Dabei muss die reale Welt - also die Biomechanik, die Physik beachten, sonst lässt sich ein Element nicht erlernen. – Auch in der Kunst müssen bestimmte Techniken beachtet werden, sonst bleiben sie Fragmente und ein Bild bleibt unfertig. Das ist weder in der Kunst noch im Sport erstrebenswert. In beiden Bereichen ist ein Ergebnis das Ziel: Der Sieg im Sport verbunden mit der folgenden Zufriedenheit. Die Fertigstellung des Kunstwerkes, die Anerkennung des Auftraggebers, der Fans, des Sachverständigen, darauf folgt die Zufriedenheit des Künstlers.

Man will also siegen, durch Leistung überzeugen und das tut er auch.

Timo Würz hat sich für vielfältige Kunst entschieden, die z. T. polarisiert. Sie gefällt oder gefällt nicht, man mag sie oder man mag sie nicht.

Bayern München und Oliver Kahn polarisierten auch - man mag sie oder man mag sie nicht.

Aber um dorthin zu kommen muss man hart arbeiten. Timo Würz arbeitet hart. Um ein Bild zu vollenden benötigt er aber nur wenig Zeit. Man kann ihn also mit einem Sprinter gleichsetzen, der die 100 m unter 10 sek. läuft.

Seine Arbeitsweise zeichnet sich auch durch „ schnell und entschieden gezeichnete Kraftlinien aus“.

Schnell muss man in der Leichtathletik sein, Kraft benötigt man beim Gewichtheben, Ringen, Kunstturnen. Fast ist man geneigt zu sagen, Timo Würz ist ein Allround-Sportler.

In seiner Kunst erzielt er auch eine künstlerische Höhe, die ihn beim Hochsprung über 2,40 oder beim Stabhochsprung über 6,00 m stark weltrekordverdächtig macht.

Das farbenfrohe Zusammenspiel der Olympischen Ringe – 5 Ringe / 5 Farben erinnert an manche seiner Bilder.

Beim Betrachten der Bilder wird man stimuliert, und dies rückt seine Werke in Richtung der erlaubten, Trainingsbegleitenden, unterstützenden Maßnahmen und erlaubten Wettkampfbeeinflussung.

Auch ich habe mich in Ermangelung stimulierender Bilder vor den Wettkämpfen angefacht: Ich habe mir immer während des Einturnens ein hübsches Mädchen auf der Tribüne herausgesucht und habe mir vorgestellt für dieses Mädchen zu turnen. Meistens war der Wettkampf gut und erfolgreich abgeschlossen. Nach dem Wettkampf habe ich das Mädchen gesucht und sie war weg und meine Stimulanz nicht nachweisbar.

Die Stimulanzen von Timo Würz bleiben uns aber erhalten, und alle seine Kritiker, Freunde und Fans können sich seine Bilder anschauen und sich stimulieren lassen.

Meine Damen und Herren,

Ich denke, das Geheimnis ist gelüftet.

Timo Würz ist im Herzen Sportler, der zum großartigen Künstler geworden ist, weil er die positiven Elemente aus dem Sport in die Kunst übertragen hat. Disziplin, Fleiß, Emotionen, Inspiration, Hartnäckigkeit u. Können.

Eigentlich sollte er auch nicht Würz sondern Würze heißen, bei so vielen Gewürzen, die er in seinen Künsten einarbeitet. Und dafür Dankeschön.

Eine Kleinigkeit verbindet Timo Würz und mich – Künzelsau.

Schließen möchte ich mit den Worten des größten Philosophen den wir im Sport kennen – Franz Beckenbauer: „Schaun wir mal“ oder heute Morgen besser passend „ Schaun wirs uns an“.

-- Ausstellungseröffnung Bietigheim, September 2006