Auch Engel haben Dämonen 18.01.08
Schmusende Raubkatzen, wilde Mädchen, geplagte Hunde, grimmige Helden: Timo Würz versteht sich auf erprobte Genres. Aber er weiß sie auch zu nuancieren, zu kontrastieren und zu vermengen. So spannt sich der motivische Bogen seiner Bilder vom Realen bis zum Magischen, vom vergnüglichen Cartoon bis zur großformatigen Naturidylle.
Würz, der aus Niedernhall stammt und in Hamburg lebt, ist ein vielseitiger Künstler. Seine Produktpalette umfasst Comics, Karikaturen, Plakate, Firmenlogos, Sachbuchillustrationen und komplette Werbespots. Zu seinen Auftraggeberngehörenneben
der Stadt Künzelsau auch die „Bild“-Zeitung, der Nintendo-Konzern oder der Filmregisseur George Lucas.
„Zeichnen und Malen ist meine Art zu kommunizieren“, sagt der 34-Jährige. Die Ausstellung im Künzelsauer Rathaus zeigt insofern nur einen kleinen, aber immerhin aufschlussreichen
Teil seines Schaffens.
Innerer Schweinehund
Unter dem Titel „Liebenswert“ hat Würz mit schnellem, aber sicherem Strich kleine Alltäglichkeiten für eine Aphorismensammlung des Dichters Dieter W. Walz gezeichnet. Die
tierische Comicfigur „Günter, der innere Schweinehund“ ist auf vergleichbar heitere Weise mit emotionalen Problemen konfrontiert. Sechs Bände sind von der Figur bereits erschienen.
„Isi – Auch Engel haben Dämonen“ heißt die Überschrift zu ein paar wilden Szenen,wo ein knackiges Girl mit Unterlippen-Piercing im Mittelpunkt steht. „Eine Art Gothic-Bearbeitung von Heidi“, kommentiert Würz die Abenteuer seiner gezeichneten Heldin. Düster und bedrohlich wirkt dagegen „Hellboy“, ein feuerroter Superheld aus der Comic-Unterwelt, den Würz zwar nicht erfunden, doch originalgetreu abgebildet hat. Dass durchaus nicht alles, was er am Schreibtisch ersinnt, auch auf den Markt gelangt, dokumentieren Entwürfe zum Filmprojekt „Animal Kickers“. Mit Geschick und Humor hat Timo Würz darin Raubkatzen, Gorillas und Bären ein menschliches Antlitz gegeben, was schon deswegen auffällig an den Zeichentrickklassiker „Das Dschungelbuch“ erinnert, da er hierfür mit Disney-Zeichnern zusammenarbeitete. Doch Streitigkeiten verhinderten, dass aus dem Projekt tatsächlich ein Film wurde.
Enorme Fähigkeiten
Weniger fiktiv als geradezu fotorealistisch sind einige große Tierbilder geraten. Aber gerade der Hirsch im Wald oder der
Steinbock im Schneetreiben unterstreichen, wenngleich stark romantisierend, die enormen technischen Fähigkeiten des Malers. Passend zu Würz’ ausdrücklichem Lebensmotto („Mir gefällt alles, was Power hat“) versorgten Sänger Marc Stone und Gitarrist Jürgen „Maui“ Maurer die Vernissage mit einer kräftigen Portion Acoustic Rock.
Info
Die Ausstellung im Künzelsauer Rathausfoyer ist bis zum 3. Januar zu sehen
erschienen in: Die Stimme